Warum starb Jesus?

Dieser Alpha-Vortrag beginnt mit der Beobachtung, dass bei Jesus – allein vom Umfang der Berichte in den Evangelien – nicht sein Leben, sondern sein Leiden und Sterben einen außerordentlich hohen Stellenwert hat. Er diskutiert landläufige Vorstellungen vom Sinn des Leidens und Sterbens Jesu und bleibt an der Frage hängen, was der Satz „Jesus starb für mich“ bedeutet. Dabei werden erstaunlich stringente Linien durch die verschiedenen biblischen Bücher hindurch entdeckt.


Vortrag 6. Februar 2018

Alpha-Kurs 2018:
„Warum starb Jesus?"
Vortrag beim Alpha-Kurs am 6. Februar 2018
Pfarrer Siegfried Weber

Es ist „in“ ein Kreuz zu tragen. Ist ein schönes Schmuckstück – und sicher ist auch jemand hier, er ein Kreuz trägt.
Ist Euch schon einmal bewusst geworden, dass das im Grund ein wenig schräg ist? Ein Kreuz ist ja eigentlich ein Hinrichtungsinstrument. Stellt Euch vor, ich würde heute Abend so einen netten kleinen Galgen um den Hals tragen – oder einen kleinen elektrischen Stuhl! Das Kreuz war ein Hinrichtungsinstrument, das selbst den Römern irgendwann zu grausam war, so dass sie es 337 n. Chr. abschafften. Warum tragen Menschen Kreuze? Nun, das Kreuz ist das Symbol des Christentums, das Symbol für Jesus. Und da stoßen wir auf eine interessante Beobachtung: Die meisten Führungspersönlichkeiten, die Nationen beeinflusst oder sogar die Welt verändert haben, bleiben in Erinnerung, weil ihr Leben einen starken Eindruck hinterlassen hat. Bei Jesus, der stärker als jeder andere die Weltgeschichte verändert hat, denken wir an seinen Tod – mehr als an sein Leben. Ein Drittel der Evangelien beschäftigt sich mit dem Tod von Jesus Christus. Fast die Hälfte des Markusevangeliums handelt davon.
Warum diese Konzentration auf den Tod von Jesus? Worin liegt der Unterschied zwischen dem Tod Jesu und dem Tod von Sokrates, dem Tod eines Märtyrers oder eines Kriegshelden? Warum starb er? Was hat sein Tod für einen Sinn? Als ich das begriffen habe, als ich erlebte, was sein Tod für mich bewirkt hat, hat es mich zutiefst berührt – ja verändert: Warum starb Jesus? Nur aus einem Grund: Er liebt dich. Im Neuen Testament schreibt Paulus: Der Sohn Gottes liebte mich und gab sich hin – für mich.

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Du bist geliebt. Diese Botschaft ist das Herzstück des Neuen Testaments – und sie steht im Zentrum des gesamten Universums. Wenn wir darüber nachdenken, warum Jesus gestorben ist, dann steht das in direktem Zusammenhang mit dieser Aussage: Du bist geliebt! Du ganz persönlich! Unsagbar tief geliebt. Bedingungslos. Für immer. Eine größere Liebe wird es nie geben. Natürlich fragt Ihr jetzt zu Recht: Und warum bitte dann das Kreuz? Warum dieser grausame Tod? Warum war das Kreuz nötig?

Nun: Du bist nach dem Bild Gottes erschaffen. Du bist kein Zufallsprodukt, kein Staubkorn im Universum. Du bist sein Meisterwerk. Wunderbar gemacht. Jeder Mensch hat etwas ganz besonders an sich, etwas Einzigartiges. Prachtvolles. Wir Menschen sind unglaublich vielseitig und voller Kreativität. Musik, Kunst, Literatur, handwerkliche Begabungen und unendlich viel mehr. Das ist so, weil Gott dich nach seinem Bild geschaffen hat. Ich bewundere, was Menschen können. Wie sie dazu beitragen wollen, dass die Welt ein wenig besser wird.

Aber ich sehe bei mir selbst, dass es auch eine andere Seite gibt. Wir sind auch fähig, Böses zu tun. Und täglich sehen wir in den Nachrichten und lesen in der Zeitung von den schlimmen Dingen, die Menschen eben auch tun. Wir könnten es uns einfach machen und sagen: Es gibt eben gute und es gibt böse Menschen. Aber so einfach ist es nicht. Es ist komplexer: Auch Menschen die voller Hingabe sind und gütig und freundlich, können auch Böses tun. Ich weiß nicht, ob Ihr schon mal Texte von Mutter Theresa gelesen habt. Sie ist ja „die“ Heilige schlechthin – und doch schreibt sie von sich, dass sie auch sehr negative Gedanken hatte und nicht alles aus reiner Liebe tat. Ich merke das doch auch bei mir: Ich will nur Gutes tun! Und doch mache ich immer wieder Dinge, die ganz und gar nicht gut sind: Ich verletze Menschen, ich werde ihnen nicht gerecht. Sogar die, die ich liebe. Ich bemühe mich, ein guter Mensch zu sein, keine Frage. Aber es gelingt eben oft auch nicht.

Im Neuen Testament wird das so beschrieben: „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ (Röm. 3,23). Das Wort „Sünde“ klingt merkwürdig. Nach religiöser Schuld. Oder nach einem Stück Kuchen zu viel und nach zu schnell fahren: Dann komme ich in die Verkehrssünderdatei in Flensburg. Für manche ist das Wort Sünde gleichbedeutend mit „genießen“: „Das ist sündhaft gut!“
Aber Sünde in der Bibel meint etwas viel Tieferes. Es betrifft dich und mich noch heute, mehr als uns bewusst ist. Wir reden nicht über Ausrutscher, Missgeschicke oder zu viel Schokolade. Sondern darüber, dass da offensichtlich etwas Zerstörerisches in uns ist. Die meisten Menschen wollen das Gute – aber trotzdem verletzen wir andere, zerstören Beziehungen, die uns wichtig sind. Wir halten Versprechen nicht. Ja wir ruinieren sogar manchmal unsere Gesundheit – obwohl sie doch angeblich das Wichtigste ist. Irgendwie haben wir uns in entscheidenden Momenten nicht im Griff – und machen dann genau das, was noch mehr kaputt macht.

Wir bewerten das vielleicht nicht so sehr. Andere machen doch viel schlimmere Sachen! Und mal ehrlich: Jeder macht Fehler! Muss man das gleich Sünde nennen?
Mich erinnert das ein wenig an die Schule: Wenn die ganze Klasse eine Strafarbeit kriegt, ist es bei weitem nicht so schlimm, als wenn ich allein am Pranger stehe. Aber grade in der Schule habe ich eben auch erlebt, wie schlimm es ist, wenn Du am Ende den Schulabschluss nicht kriegst – dann ist es völlig egal, ob alle anderen ihn auch nicht schaffen. Du hast es verpasst – und das prägt vielleicht Dein ganzes weiteres Leben negativ.

Paulus formuliert das ganz ähnlich: „Alle haben gesündigt und keiner erreicht die Herrlichkeit Gottes.“ Gott hat uns in seinem Wort und in Jesus gezeigt, wie wir eigentlich sein sollten. So, dass wir in die Herrlichkeit Gottes passen. Aber diese Messlatte ist so himmelweit von dem weg, was wir schaffen können – das kriegen wir nie hin.

Ich versuche es mal in einem Beispiel zu sagen: Weiß jemand von Euch, wie weit Hawaii von der Westküste der USA entfernt ist? Über 3.700 km. Stell dir vor, Hawaii wäre diese Herrlichkeit Gottes – eben der Ort, der uns verloren gegangen ist, der Himmel, wo wirklich alles gut ist. Stell Dir weiter vor: Es gibt nur die Möglichkeit des Schwimmens. Jetzt stehen wir also am Strand irgendwo in Kalifornien. Es geht darum, nach Hawaii zu schwimmen. Ich weiß nicht, wie gut Du schwimmen kannst. Aber eins weiß ich: Die besten Schwimmer der Welt können das nicht schaffen – und ich erst recht nicht. Ohne Bild gesagt: All unsere Versuche, irgendwie ein Stück dieser Herrlichkeit zu erreichen, sind zum Scheitern verurteilt. Alle sind Sünder und keiner erreicht die Herrlichkeit Gottes. Das ist unsere Situation. Das ist das Problem mit der Sünde.

Okay, sagst Du. Dann sind wir ja alle in derselben Situation. Warum soll ich mich um etwas bemühen, das ich eh nicht erreichen kann?
Nun: Weil wir alle eine Sehnsucht in uns tragen: Die Sehnsucht, dass es gut ist in unserem Leben. Die Sehnsucht nach Gelingen, nach Erfüllung. Letztlich nach dieser Harmonie mit Gott und unseren Mitmenschen. Im Hebräischen gibt es dafür ein geniales Wort: Shalom. Friede. Viel mehr als Friede – alles ist gut.

Aber dieses Zerstörerische in uns lässt das nicht zu. Das wirkt sich aus – leider ziemlich negativ. Die Bibel beschreibt die Auswirkungen der Sünde auf verschiedene Weise. Alle Welt redet heute von Umweltverschmutzung – ich sage nur: Plastik in den Weltmeeren. Jesus sagt: Genauso verschmutzen Menschen ihr Leben, ihr Herz. Sünde vergiftet unsere Beziehungen zueinander. Aber auch die Beziehung zu Gott. Das Böse in unserem Leben zieht uns runter und ist oft wie ein Strudel. Es gewinnt Macht über uns. Kein Wunder, dass Paulus einmal über sich selbst genervt schreibt: „Das Gute, das ich eigentlich tun will, tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich“ (Römer 7, 19). Wir haben uns schon sehr daran gewöhnt, dass das eben so ist, dass unsere Beziehungen von Egoismus und Gleichgültigkeit geprägt sind, dass an unseren Arbeitsplätzen und in unserer Nachbarschaft jede Menge Neid und Streit und Intrigen vorkommen. Wir regen uns nur noch auf, wenn es ganz extrem wird, und skrupellose Machthaber ganze Völker ins Verderben stürzen. Aber auch schon in unserem kleinen Alltag erleben wir, dass es stimmt, was Jesus sagt: Jeder der sündigt, ist ein Sklave der Sünde. Wir wissen alle, dass jemand, der Drogen nimmt, in Kürze süchtig wird. Oder jemand, der jahrelang exzessiv Alkohol konsumiert, wird abhängig davon. Das passiert aber auch in anderen Bereichen: Selbstsucht, Habgier, sexuelle Ausschweifungen, Stolz, Arroganz, Lästern, Neid, Jähzorn. Solche Dinge können unser Leben beherrschen und eine zerstörerische Macht entfalten.
Wir haben alle von Natur aus eine tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Wenn wir hören, dass ein Kind missbraucht wurde oder ein älterer Mensch brutal zusammengeschlagen wurde, dann wollen wir, dass die Täter gefasst und bestraft werden. Wir sind überzeugt, dass Sünde bestraft werden muss. Im Blick auf uns selbst haben wir da eine Art blinden Fleck: Wir sind schnell dabei, drastische Strafen zu fordern, wenn schlimme Dinge passieren. Zum Beispiel bei den Steuerhinterziehern im großen Stil: Da empören wir uns zu Recht, dass die Millionen ins Ausland schaffen. Aber bei der eigenen Steuererklärung nehmen wir es längst nicht so genau, da ist das ja was ganz anderes, da geht es ja nicht um große Beträge. Jedenfalls beobachte ich das: Bei mir selber finde ich das alles nicht so schlimm. Was hab ich als Autofahrer schon über Radfahrer geschimpft, wenn die durch die Gegend schießen, ohne groß auf Verkehrsregeln zu achten. Wenn ich auf dem Fahrrad sitze, sieht das ganz anders aus. Ihr versteht, was ich sagen will: Zu mir selber bin ich deutlich großzügiger, was die Toleranz bei Fehlern betrifft. Nicht umsonst spricht Jesus vom Splitter, den wir im Auge des anderen sehen – und den Balken im eigenen Auge sehen wir nicht.

Paulus greift das in Römer 2, Vers 1 auf und schreibt sehr ernüchternd: „Aber du bist ja genauso wie sie und hast dafür keine Entschuldigung! Wenn du sagst, dass sie bestraft werden sollen, dann verurteilst du dich damit selbst, weil du genau dasselbe tust, wenn du über sie richtest.“ Wir mögen finden, dass wir so ganz schlimme Sachen nicht machen oder gemacht haben – aber im Grunde sind wir eben genauso auf der falschen Seite – himmelweit getrennt von der Herrlichkeit Gottes.

Wenn wir etwas falsch machen, wenn dieses Zerstörerische in uns um sich greift, dann entsteht da eine Barriere. Etwa so, wie wenn wir uns mit jemand zerstreiten, den wir lieb haben. Ein Familienmitglied, oder ein guter Freund. Du kannst ihm nicht in die Augen schauen. Da steht etwas zwischen euch. Unser Fehlverhalten, unsere Sünde führt zu einer Barriere zwischen uns und Gott. Es ist wie der Zerbruch einer Beziehung. Der Prophet Jesaja hat das mal so gesagt: Eure Sünden verdecken sein Gesicht, so dass er euch nicht hört. Wo wir die Beziehung zu Gott verloren haben, sind wir von ihm und seinem ewigen Leben abgeschnitten. Das ist das Problem. Und es wirkt sich aus. Auch alle unsere Beziehungen leiden darunter.

Das ist das Problem. Und wenn das alles wäre, dann würden wir heute Abend ein bisschen besser verstanden haben, wie die Welt ist – aber das würde uns keinen Schritt weiterbringen. Dieser Abend ist überhaupt nicht dazu da, in schlechten Nachrichten hängen zu bleiben. Im Gegenteil.

Wir haben doch vorhin gehört: Gott liebt uns! Und er kam auf die Erde in der Person seines Sohnes, um das Problem zu lösen. „So sehr hat Gott die Welt, seine Menschen, geliebt, dass, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. 3,16).

Das ist Gottes Lösung – und dabei spielt Jesus Christus und das Kreuz eine entscheidende Rolle. So wichtig sind wir Gott, so sehr, so tief liebt er dich und mich, dass es ihn nicht mehr im Himmel gehalten hat. Er kam in Jesus selbst auf die Erde, um zu sterben. Der Apostel Petrus drückt es so aus: Er – das heißt Jesus Christus - hat unsere Sünden - Deine und meine Sünden - mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen ... Durch seine Wunden seid ihr geheilt. (1. Petr. 2,24)

Gott hat also einen Weg gefunden, uns zu retten. Indem er sozusagen stellvertretend für uns die Sünde trägt. Was bedeutet das? Am 31. Juli 1941 floh ein Häftling aus Block 14 des Konzentrationslagers Auschwitz. Als Vergeltung wählte die Gestapo willkürlich 10 Menschen aus, um sie in qualvoll in einem unterirdischen Bunker verhungern zu lassen. Sie gingen durch die Reihen und pickten sich die Leute heraus. Einer der Männer hieß Franz Gajowniczek. Als die Wahl auf ihn fiel, schrie er auf: „Meine arme Frau! Und meine Kinder! Die werde ich nicht mehr wieder sehen!“ In diesem Moment trat ein polnischer Mann mit einer runden Nickelbrille vor und sagte: „Ich bin ein katholischer Priester. Ich habe keine Frau und keine Kinder. Ich möchte anstelle dieses Mannes hier sterben.“ Und zum Erstaunen aller wurde sein Angebot akzeptiert. Maximilian Kolbe hieß dieser Pater. Damals war er 47 Jahre alt. Er ging mit den anderen neun in den Hungerbunker. Maximilian Kolbe brachte die anderen dazu, zusammen zu beten und zu singen. Der diensthabende Offizier sagte, der Bunker sei wie eine Kirche gewesen. Maximilian Kolbe blieb länger am Leben als die anderen und wurde schließlich am 14. August 1941 durch eine Injektion mit Karbolsäure getötet.
41 Jahre später, am 10. Oktober 1982, wurde der Tod Maximilian Kolbes gewürdigt. Auf dem Petersplatz in Rom befand sich unter den 150.000 Menschen mit 26 Kardinälen und 300 Bischöfen und Erzbischöfen auch Franz Gajowniczek. Der Papst verglich den Tod Maximilian Kolbes mit dem Tod von Jesus. Denn Maximilian Kolbe starb für einen anderen. Anstelle eines anderen. Franz Gajowniczek ist mit 93 Jahren verstorben. Im Nachruf hieß es, dass er einen Großteil seines Lebens nach der Befreiung aus dem KZ damit zubrachte, Menschen zu erzählen, was Maximilian Kolbe getan hatte und wie er sein Leben gerettet hatte. Er war an seiner Stelle gestorben, stellvertretend für ihn, im Tausch mit ihm.

Noch bemerkenswerter und wunderbarer ist das Sterben von Jesus für uns. Er ließ sich für uns kreuzigen. Ein schrecklicher Tod. Es ist in den Evangelien berichtet, dass Jesus das sehr bewusst gemacht hat. Er ist mit diesem Tod in die äußerste Gottferne gegangen. Nicht nur die körperlichen Qualen waren grausam und schlimm – da gab und gibt es sicher ähnlich Schlimmes, vielleicht sogar Schlimmeres. Bei Jesus aber war da noch eine andere Ebene, die in den Evangelien deutlicher als die körperlichen Qualen beschrieben ist: Die Qual, von Gott getrennt zu sein. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, schrie er. Er war belastet und bedrückt, weil er deine und meine Schuld trug. Im AT, in Jesaja 53 ist hunderte von Jahren vor Jesu Tod in einer geradezu unheimlichen Detailgenauigkeit aufgeschrieben worden, wie Jesus sterben sollte. Im Mittelpunkt dieser Prophezeiung lesen wir:
Er ist wegen unserer Missetat verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. …Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.
Wir sagen das so leicht: „Jesus starb für unsere Sünden.“ Wenn mir aber klar wird: Das, was dort am Kreuz in dieser totalen Grausamkeit passiert ist, das müsste eigentlich mit mir passieren! Dann beginne ich zu ahnen, was dieses „für uns“ heißt: Gott hat auf ihn – das heißt auf Jesus Christus – die Schuld und Sünde von uns allen gelegt. Das steht hinter diesem einen Satz: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.

Bewusst habe ich gesagt: Da beginne ich zu ahnen. Weil dieses Kreuz von Jesus, das, was da passiert ist und was Gott hier getan hat, einfach so viele Facetten hat, dass dem, der sich hinein vertieft, immer wieder neue Aspekte wichtig werden. Ein Geheimnis ist das, etwas, das wir nie völlig ergründen können werden. Für heute ist mir wichtig: Hier hat Gott uns seine Liebe gezeigt. Wenn jemand daran zweifeln sollte, dass Gott ihn liebt: Schaut auf das Kreuz. Hier seht Ihr, wie sehr Gott dich und mich liebt.

Das Kreuz aber sollten wir niemals alleine sehen. Untrennbar damit verbunden ist auch die Auferstehung. Eigentlich ist das wie ein einziges Ereignis. Und die Auswirkungen sind wie die verschiedenen Facetten eines wertvollen Diamanten. Eine Facette verdeutlicht das Ausmaß von Gottes Liebe für Dich. Vielleicht ist es Dir bei dem, was ich vorhin gesagt habe, so gegangen, dass Dir bewusst geworden ist, wie viel es in deinem Leben gibt, was dich von Gott trennt. Vielleicht schämst du dich dafür. Dann höre es: Dort am Kreuz ertrug Jesus deine Schuld und deine Scham. Meine Schuld und meine Scham.
Es gibt nun keinen Grund mehr für Schuldgefühle oder Scham. Denn Du bist so sehr geliebt! Deinen Wert bestimmt alleine Gott. Und Du bist unendlich wertvoll für Gott, weil Jesus für dich starb. Das ist das Ausmaß von seiner Liebe.
Um es nochmal mit dem Bild des Schwimmens über den Atlantik zu sagen: Gott legt keinen Wert auf Schwimmunterricht – das wäre völlig vergeblich. Er hat das Schiff geschickt, das uns rüberbringt – zu ihm. Das geschah durch das Sterben von Jesus – „für uns“.

Eine andere Facette zeigt uns das Wesen dieser Liebe. Liebe ist mehr als ein Gefühl. Liebe ist mehr als Worte. Zur Liebe gehört die Tat. Jesus hat das gezeigt. Er hat sich selbst für uns hingegeben.

Video: 12’34 bis 15‘30

So sehr hat Gott die Welt geliebt. Ihr seht, dass er dich und mich auch da versteht, wo wir zu leiden haben. Er ist nicht der abgehobene Gott. Und er hat es durch das Kreuz möglich gemacht, dass wir auf eine Welt zugehen können, in der es kein Leid und kein Geschrei, keine Krankheit und keinen Tod mehr geben wird. In Gottes Welt wird das so sein – und dann werden wir noch einmal in einer ganz neuen Tiefe verstehen, dass uns Jesu Tod am Kreuz diese Welt eröffnet hat.

Die Auferstehung war nicht die Umkehrung einer Niederlage am Kreuz, sondern die Offenbarung eines Sieges. Wir sehen daran, dass das Böse nicht das letzte Wort haben wird. Es mag sein, dass es Dir grade schlecht geht und Du große Probleme hast. Aber das Böse wird nicht das letzte Wort haben. Denn das Böse ist am Kreuz besiegt worden. Die Geschichte geht gut aus!

Damit wird klar, dass das Kreuz die Lösung für all die Probleme mit der Sünde ist. Durch das Kreuz ist die Trennung zwischen uns und Gott aufgehoben worden. Du kannst heimkommen – zu Gott. Paulus drückt es so aus: „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber.“ (2. Kor. 5,16). Gott war in Christus. Das bedeutet: Dort am Kreuz hat Gott eben nicht einen unschuldigen Dritten bestraft, Jesus. Das wäre barbarisch. Nein. Gott kam selbst auf die Erde. In der Person seines Sohnes. Gott war in Christus und versöhnte dich und mich mit Gott.

Es ist wie beim verlorenen Sohn. In dieser Geschichte erzählt Jesus von einem Sohn, der von zuhause weggeht, den Vater verlässt, durch die Welt zieht – und dann zurück zum Vater kommt. Es ist für mich immer wieder bewegend, diese Szene zu sehen: Diesen Vater, der niemals aufgehört hat, seinen Sohn zu lieben. Der sich nichts sehnlicher gewünscht hat, als dass der zurückkommt. Und als er dann kommt, geht er ihm entgegen. Keine Vorwürfe. Kein erhobener Zeigefinger. Nein, echte, tiefe Liebe: Wie gut, dass du wieder da bist!

Wenn du und ich heimkommen, empfängt er uns mit offenen Armen, küsst uns, liebt uns, hält uns. Wir sind versöhnt mit ihm. Wir können diese enge, innige Beziehung zum Vater haben. Und wenn wir mit Gott versöhnt sind, das habe ich erlebt, hilft das, um Versöhnung auch in all unsere Beziehungen zu bringen.

Jesus hat das möglich gemacht. Er hat den Preis dafür bezahlt, den Preis dafür, dass wir in Gemeinschaft mit Gott leben können. Du brauchst nichts dafür bezahlen. Du darfst es einfach nur annehmen.

Vielleicht denkst du: Oh, super, dann kann ich ja munter durchs Leben gehen und fröhlich alles Mögliche machen, was Gott nicht gefällt – er wird mir ja vergeben. Eigentlich ist es genau umgekehrt. Wenn ich begriffen habe, welchen Preis er bezahlt hat, mit wie viel Liebe er mir begegnet, dann ist das ein Anreiz, möglichst nicht zu sündigen.

Video: 18’10 – 22’31:
Das Video handelt von einem Gang-Mitglied aus England, der wegen seiner brutalen Taten ins Gefängnis kam, dort eher widerwillig einen Glaubenskurs mitmachte und durch Gott total verändert wurde. Das beschreibt er sehr persönlich.

Die Macht der Sünde wurde durch das Kreuz gebrochen. Jesus sagt:“ Wenn der Sohn dich frei macht, bist du wirklich frei.“ (Joh. 8, ) Unsere Abhängigkeiten sind gebrochen. Manchmal ist das tatsächlich wie eben im Video gesehen. Auf einen Schlag ist etwas anders. Manchmal ist es auch ein viel längerer Weg. Wir dürfen erleben, dass Jesus uns befreit. Es gibt auch mir noch Dinge, die mir zu schaffen machen. Aber an vielen Stellen durfte ich erleben, wie diese Befreiung mein Leben verändert hat.

Es gibt zwei theologische Begriffe: Rechtfertigung geschieht auf der Stelle. Das Kreuz versöhnt dich mit Gott. Und zwar auf der Stelle. Mit Heiligung ist der Prozess gemeint, der uns Jesus ähnlicher macht. Ein langer Prozess. Der Evangelist Johannes schreibt: Das Blut von Jesus reinigt uns von aller Schuld. (1. Joh. 1). Wir empfangen immer wieder Vergebung von Gott her. Deshalb sollen wir auch immer wieder vergeben. Die Vergebung Gottes wirkt sich also sehr konkret auch zwischen uns aus und verändert tatsächlich unglaublich viel.

Ich weiß: Das ist ein heikles Thema. Weil es so oft Menschen und Situationen gibt, wo wir denken: Das geht nie.
Dem oder der kann ich nicht vergeben. Vielleicht bist du selbst die erste Person, der du vergeben musst. Ich kenne das nur zu gut: Mir selbst kann ich ganz schlecht etwas verzeihen. Aber wenn Gott mir vergeben hat – dann sollte ich mir selbst auch vergeben – sonst stelle ich mich doch quasi über Gott und nehme sein Geschenk für mich nicht an.

Dann aber will Gottes Vergebung auch in unsere Beziehungen hineinkommen. Vielleicht gehörst du auch zu denen, die denken: Wenn ich nicht vergebe, bestrafe ich den andern. Ich habe gemerkt: Wenn ich anderen etwas nachtrage, dann trage ich es! Mich belastet es am stärksten! Jemand sagte mal: „Nicht vergeben ist, wie wenn du Gift trinkst und hoffst, dass der andere daran stirbt.“ Vergebung ist eine Entscheidung. Und auch nicht leicht. C.S. Lewis sagte einmal: „Jeder denkt, Vergebung sei eine nette Idee, bis er selbst etwas vergeben muss. Und dann ist es wirklich hart. Aber es ist wirklich wahr: Wer sich zuerst entschuldigt, ist der Mutigste. Wer zuerst vergibt, ist der Stärkste. Wer zuerst vergisst, ist der Glücklichste.“

Eine meiner großen Heldinnen ist Corrie ten Boom, eine holländische Christin, die im zweiten Weltkrieg Juden versteckte. Sie wurde entdeckt und mit ihrer Schwester ins Konzentrationslager nach Ravensbrück verschleppt. Ihre ganze Familie wurde ausgelöscht, Corrie überlebte auf wunderbare Weise. Eine beeindruckende Frau. Nach dem Krieg reiste sie und sprach mit den Leuten über Vergebung. Einmal sprach sie in einer Kirche in München. Am Ende des Vortrags kam ein Mann auf sie zu. Sie erkannte ihn augenblicklich. Er war einer der grausamsten Aufseher dort in Ravensbrück gewesen. Er erkannte sie nicht. Aber sie sah ihn vor sich, wie er damals gewesen war, wie er sie gezwungen hatte, nackt an ihm vorbei zu gehen. Er sagte: „Ich war Aufseher in Ravensbrück.“ Corrie ten Boom beschrieb, wie es ihr ging: Ganz kalt und voller Zorn war sie auf einmal. Er sagte: „Ich bin nun Christ und ich weiß, ich habe Grausames getan. Aber ich habe Gottes Vergebung für meine Schuld empfangen und ich flehe Gott an, eines meiner Opfer persönlich um Vergebung bitten zu dürfen.

Video: 26’22 – 27‘35
In diesem Video erzählt Corrie ten Boom sehr persönlich, wie sie in diesem Moment, als ihr Peiniger vor ihr stand, Gott darum bat, ihr Kraft zu geben, damit sie vergeben könnte. Sie beschreibt, wie sie erlebte, dass in dem Moment, als sie diesem Mann die Hand hinstreckte, durch ihren Arm Liebe floss. Am Ende sagt sie: Ich konnte das nicht von mir aus, nur durch die Kraft von Jesus. Sie hat alles verwandelt.

Diese totale, aufrichtige Vergebung – sie verwandelt alles. All unsere Beziehungen, Freundschaften.
Gott liebt dich. Der Sohn Gottes gab sich selbst – für dich. Als ich das verstand, veränderte sich bei mir alles. Und es kann auch dein Leben verändern.

So sehr hat Gott die Welt geliebt. Dich und mich. Das ist soooo persönlich! Jesus starb nicht nur für die Welt, sozusagen global und allgemein. Er starb für mich. Und für dich. Persönlich. Du kannst hier deinen Namen einsetzen: „So sehr hat Gott Siegfried Weber geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Beachtet: An dieser Stelle ist eine Antwort gefragt - ...damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

Was bedeutet glauben? Es bedeutet, das anzunehmen, was Jesus am Kreuz für uns getan hat. Am Freitag war hier im Saal ein großes Kinder- und Familienkonzert. In der Schule habe ich natürlich Werbung dafür gemacht. Einem Mädchen habe ich einen Tag vorher gesagt: „Ich schenke dir eine Karte – glaubst du das?“ Sie nickte. Da sagte ich: „Ich bin gespannt, ob du es glaubst. Schau her, ich schreibe hier deinen Namen auf die Karte.“ Das hab ich gemacht. Dann sagte ich: „Ich gebe dir die Karte jetzt nicht. Aber wenn du glaubst, dass ich sie dir schenke, dann kommst du morgen vorbei und sagst an der Kasse: Da muss eine Karte für mich sein.“ – Sie hat es gemacht. Sie hat es geglaubt, sie ist gekommen.

Ich habe einen Scheck hier, der alles beinhaltet, was Gott jedem einzelnen von uns anbietet: Vergebung, Freiheit, Reinigung, Versöhnung und ewiges Leben: Das steht in der Zeile „Betrag“. Und da, wo sonst die Währung steht, steht hier: Alle Reichtümer des Himmels. Unterschrieben mit: Der Herr Jesus Christus. Weil es Jesus ermöglicht hat. Weil er genau deshalb gestorben ist, damit wir das alles bekommen können. Das Datum ist heute, denn heute gilt dieses Angebot. Die Namenszeile ist noch leer, für Dich. Das Angebot gilt nämlich Dir ganz persönlich.
Du kannst natürlich sagen: „Nein, danke.“ Dann lehnst Du dieses wunderbare Geschenk einfach ab. Du kannst aber auch sagen: „Ja, ich nehme ihn! Vielen Dank!“ Und Du kannst erfahren, wie Gott Dich beschenkt – augenblicklich nimmt er dir die Schuld – und ein Leben lang verändert er dich in sein Bild. Das bietet Gott uns an. Das will er uns schenken.

Lasst uns beten. Ich möchte Euch eine Gelegenheit bieten. Vielleicht ist jemand hier, der sagt: „Ich bin nicht sicher, ob ich jemals wirklich dieses Angebot Gottes angenommen habe. Ich möchte heute glauben.“ Es kann ein ganz einfaches Gebet sein: „Vergib mir, danke und bitte“ – indem Du Dich abwendest von den Dingen, von denen Du weißt, dass sie falsch sind, Gott dafür danken, dass er für uns gestorben ist und sein Geschenk annehmen.

Vielleicht bist Du noch nicht bereit. Dann fühl dich nicht unter Druck. Aber wenn jemand hier ist, der sagt: „Ich möchte dieses Geschenk heute annehmen“, dann kann er oder sie dieses einfache Gebet in seinem Herzen mitsprechen. Oder nachher mich ansprechen, dann bete ich es mit dir.

Jesus starb und ist vom Tod auferstanden, er lebt, er ist heute hier. Wir können mit ihm reden.

Herr Jesus Christus, danke, dass du mich so sehr geliebt hast, dass du für mich gestorben bist. Die Dinge, die ich in meinem Leben verkehrt gemacht habe, tun mir Leid. Bitte vergib mir. Ich wende mich jetzt von allem Verkehrten ab.
Danke, dass du mir Vergebung schenkst. Und neues Leben. Ich nehme dieses Geschenk jetzt in Anspruch. Ich vertraue dir. Ich glaube an dich. Ich bitte dich, mich mit deinem Heiligen Geist zu erfüllen, damit er mich ständig begleitet. Danke, Herr Jesus. Amen.

Vater, danke für die Menschen, die dieses Gebet heute gesprochen haben. Bitte erfülle sie jetzt mit deinem Geist, mit Freude, Frieden und Liebe. Amen.

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